Ihre Fragen an Thomas Beyer

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und seine Antworten veröffentlicht.

22.04.2010 - Ein Bürger aus Wismar
Was tut die Hansestadt Wismar dafür, um Schülerinnen und Schüler darin zu unterstützen, möglichst Ihren Schulabschluss zu schaffen.

Thomas Beyer: Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass der innere Schulbetrieb, die Unterrichtstafeln, der Lehrereinsatz , die Anwendung von Förderstunden usw. ausschließlich in der Verantwortung des Landes, genauer gesagt des Bildungsministers, liegt. Die Hansestadt Wismar unterstützt seit mehreren Jahren die Arbeit der Lehrer durch:

• eine Schulwerkstatt (Schulstation) gemeinsam mit der AWO, in der Schülerinnen und Schüler, die nicht mehr zur Schule gegangen sind, unter anderem durch Probleme in Familie und Elternhaus, in besonderer Weise beschult werden, um sie wieder an den Regelschulalltag heranzuführen

• den Einsatz von Schulsozialarbeiten und weiteren Projekten mit Sozialpädagogen (optimierte Chancen; zweite Chance), mit deren Hilfe der Übergang zur Ausbildung besser geschafft wird und die Schüler für den Schulabschluss gestärkt werden. Außerdem wird mit Hilfe des produktiven Lernens an der Ostsee-Schule erreicht, dass Schüler, die normalerweise den Anschluss nicht schaffen würden, durch speziellen Unterricht in der Praxis doch noch an den Abschluss herangeführt werden.

Auch der Praxislerntag auf Initiative der Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft ist eine gute Möglichkeit, den Übergang zwischen Schule und Beruf zu unterstützen. Wichtig ist aber vor allem, dass seitens des Bildungsministers ausreichend Kapazitäten wie Lehrerstunden und Fördermöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden.

20.04.2010 - Ein Bürger aus Altstadt, Mitte
Sehr geehrter Herr Beyer,

durch welche konkreten Maßnahmen möchten Sie die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche nachhaltig verbessern?

Thomas Beyer: Diese Frage beantworte ich sehr gern ausführlich:

1. Kindertagesstättenbetreuung

Die Einrichtungen der Hansestadt Wismar und auch die Betreuung durch die Tagesmütter haben sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Es werden sehr unterschiedliche pädagogische Konzepte angeboten. In die Kitas ist erheblich investiert worden – zuletzt wurde die sanierte Kita Sonnenschein am Kagenmarkt übergeben – und die Erziehrinnen und Erzieher gehen individuell auf die Kinder ein und haben die Arbeit mit den Eltern verstärkt. Kinder mit Behinderungen oder drohender Behinderung werden integrativ betreut, auch im Hort.

Für Kinder bei denen eine Entwicklungsverzögerung zum Beispiel durch das Gesundheitsamt oder durch den Kinderarzt festgestellt wurde, arbeitet eine interdisziplinäre Frühförderstelle, in der Fachkräfte wie Ärzte, Heilerzieher, Sozialpädagogen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden mit Kindern und Eltern zusammen versuchen, diese Entwicklungsrückstände aufzuarbeiten. Durch die Verstärkung der U-Untersuchungen und die damit verbundenen Hausbesuche durch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes kommen wir sehr frühzeitig gerade an Kinder mit problematischen Elternhäusern heran. Erwähnt seien auch noch die Maßnahmen des Jugendamtes (Hilfe zur Erziehung), die vor allem die familiären Bindungen und Beziehungen stabilisieren sollen.

All dies gilt es fortzusetzen. Die Verbesserungen im Kifög, die übrigens nie endgültig zufrieden stellen können, werden die individuelle Betreuung der Kinder und frühkindliche Bildung verstärken können. Darauf bin ich schon in einer anderen Fragebeantwortung eingegangen. Übrigens würde ich gern die Vernetzung zwischen der Hortbetreuung und den Grundschulen intensivieren. Dies wäre am besten möglich, wenn die Grundschulen volle Halbtagsschule werden. Meines Erachtens würde das erhebliche Vorteile bringen und es könnten auch Erzieherinnen und Erzieher in der Schule eingesetzt werden. Hier werde ich versuchen, weiter Überzeugungsarbeit zu leisten, denn die Grundschulen müssen selbstverständlich mit einem solchen Weg einverstanden sein.

2. Schulen

In die Schulen ist in den vergangenen Jahren erheblich investiert worden, es waren mehr als 50 Mio.€. Das hat die Rahmenbedingungen deutlich verbessert. Aber diese Investitionen müssen fortgesetzt werden. Derzeit wird die Tarnowschule neu gebaut, die integrative Gesamtschule Johann Wolfgang von Goethe erhält zusätzliche Räume im Zuge der Sanierung der Mecklenburgerstraße 36, im Gerhard-Hauptmann-Gymnasium wird ein Fachraum neu gebaut und die Sporthalle saniert. Ein großes Problem haben wir noch mit der Brechtschule, auch die Sanierung dieser Schule in unmittelbarer Nachbarschaft dann zur Grundschule am Friedenshof muss angegangen werden. Das ist ein wichtiges Ziel der nächsten Jahre.

Wichtig ist aber auch die Ausstattung der Schulen. Erhebliche Fortschritte haben wir erreicht, aber wir sind noch nicht da, wo wir sein müssten. Die EDV-Ausstattung konnte durch ein Projekt des zweiten Arbeitsmarktes und mit Hilfe großer Wirtschaftsunternehmen aufgewertet werden, dennoch sehe ich in der Ausstattung einen Schwerpunkt für die nächsten Jahre. Wenn es irgendwie möglich wäre, würde ich am liebsten jeder Schule ein kleines Budget zuteilen, nach dem sie frei, natürlich mit einem gewissen vorgegebenen Rahmen, verfügen können. Dies geht aber nur, wenn es der Haushalt der Stadt hergibt.

Wir haben die weiterführenden Schulen mit Schulsozialarbeitern und weiteren Sozialpädagogen bzw. schulbezogener Jugendarbeit unterstützt und dies muss fortgesetzt werden. Insbesondere geht es darum, Schülerinnen und Schüler so zu stabilisieren, das sie ihren Abschluss schaffen. Außerdem sollen sie beim Übergang zur Ausbildung unterstützt werden. Hier investiert die Stadt viel Geld, meines Erachtens an der richtigen Stelle. Die Schulleiter bestätigten mir jüngst jedenfalls, dass sich die Arbeit der von uns finanzierten Sozialpädagogen langfristig positiv auswirkt. Dazu gehört im Übrigen auch ein Demokratieprojekt, das wir über ein Bundesprogramm derzeit an den weiterführenden Schulen umsetzten und auch die Berufsorientierung mit einschließt.

Daneben werden sogenannte schulaversive Kinder, Kinder die also nicht mehr zur Schule kommen, zum Beispiel durch problematische familiäre Hintergründe, im Rahmen einer Schulwerkstatt (Schulstation) teilweise durch die Stadt finanziert, wieder an den Regelunterricht herangeführt. Gerade auch für Schüler mit Behinderungen und drohender Behinderung wurde ein weit verzweigtes Fördersystem aufgebaut. Ich hoffe sehr, dass die geplanten Umstellungen in diesem System tatsächlich zu einer Verbesserung führen. Dieses Thema wurde gerade kürzlich öffentlich kontrovers diskutiert. Ich habe mich jedenfalls ins besondere für die Sanierung der Förderschule sehr eingesetzt, dadurch sind gerade dort die Bedingungen auch sehr verbessert worden.

Übrigens haben wir die Schulen auch durch den gezielten Einsatz von über das Kommunalkombi-Programm geförderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt. Auch solche Projekte, wie das produktive Lernen an der Ostseeschule oder der Praxislerntag, der von der WWG initiiert wurde, sollten fortgeführt werden und werden von der Stadt und auch von mir auch in Zukunft gern unterstützt. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Hochbegabtenförderung, die zunächst an der Brechtschule begonnen wird und dann am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium fortgesetzt wird.
Insgesamt hat Wismar mittlerweile eine gut angenommene Schulstruktur. Ich bin vor allem froh, dass es gelungen ist, beide Gymnasialstandorte zu erhalten - vielen Unkenrufen zum Trotz, die schon die beiden Gymnasien am liebsten zusammengelegt hätten.

Hierauf will ich aufbauen und wie gesagt insbesondere möglichst die Ausstattung der Schulen verbessern. Allerdings ist auch auf eines hinzuweisen: Wie Bildung in den Schulen gestaltet wird, das entzieht sich weitestgehend dem kommunalen Einfluss. Hier liegt eindeutig die Zuständigkeit bei der Landesregierung und beim Kultusministerium. Meines Erachtens ist aber auch hier ein Schritt in die richtige Richtung mit dem Projekt „Selbständige Schule“ gegangen worden.

3. außerschulische Bildung

Darunter verstehe ich solche Einrichtungen wie die Musikschule, die Medienwerkstatt, Geschichtswerkstatt/Projekt Stolpersteine, die museumspädagogische Arbeit, die Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, Theaterprojekte an unserem Theater umzusetzen. Gerade hier haben wir uns als Stadt und ich mich als Senator in den letzten Jahren sehr engagiert. Die Projekte sind gut angenommen worden, auch dies gilt es fortzusetzen.

4. Berufsschule

Auch in die Berufsschule, genauer gesagt, das Berufsschulzentrum-Nord, das wir gemeinsam mit dem Landkreis Nordwestmecklenburg betreiben, ist erheblich investiert worden mit toller Unterstützung des Landes. Zur Zeit laufen die Planungen für den Neubau einer Sporthalle, die Förderung dafür wurde bereits schon bewilligt. Wichtig ist mir hier, dass es zum Beispiel auch die Möglichkeit des Fachgymnasiums gibt, also auch für Schüler, die zunächst den Sprung aufs Gymnasium nicht geschafft haben, die Möglichkeit besteht, ein Fachabitur zu machen. Insgesamt wird in Wismar/Zierow ein großes Spektrum von Berufen angeboten, natürlich aber nicht alle, dies ist auch in unserer Region nicht möglich.

Ich bin sehr froh, dass sich sehr viele Unternehmen für die Berufsausbildung engagieren, das gilt für kleine und große Unternehmen, für Dienstleistungs-, Handwerks- und Industrieunternehmen. Am Übergang zwischen Schule und Berufsschule wirkt übrigens hervorragend auch noch der Arbeitskreis Wirtschaft und Schule, in dem ich Mitglied bin, mit, der zum Beispiel die jährliche Berufsinfobörse organisiert.

5.Hochschule

Natürlich bietet die Hochschule Studienmöglichkeiten auch für Wismarer Jugendliche. Darüber hinaus ist sie aber auch Kooperationspartner für Schulen, zum Beispiel im Bereich MINT, und sie bietet auch ein duales Studium an. Über die Hochschule habe ich an anderer Stelle schon ausführlich etwas gesagt, es ist immer nur wieder zu betonen, dass sie einer der wichtigsten Standortfaktoren für unsere Stadt ist und insofern die Kooperation in den nächsten Jahren nur verstärkt werden kann.

6. Runder Tisch Bildung

Ich habe vor einigen Jahren mit Frau Dr. Wilcken zusammen einen Runden Tisch Bildung initiiert, hier werden im Austausch mit Schulleitern, Sozialpädagogen, Kita-Mitarbeitern usw. neue Ideen geschmiedet und insbesondere ein regelmäßiger Austausch organisiert. Dieses Beratungsgremium werde ich fortsetzen.

16.04.2010 - Ein Bürger aus Wismar
Was wollen Sie für die Schülerbeförderung tun? Meine Tochter geht in die Grundschule am Friedenshof; wir wohnen am Kagenmarkt. Von Seiten der Schulleitung, Gesundheitsamt, soll meine Tochter dort beschult werden. In der zweiten Klasse werden die Kosten für die Schülerbeförderung nicht mehr übernommen. Als Hartz IV Empfänger müssen so monatlich ca. 60€ zusätzlich an Kosten aufgebracht werden. Ist es der "Hansestadt" nicht möglich einen regulären Linienverkehr für Schulkinder einzurichten, oder sollen wir unser Kind in eine Schule geben, wo sie wahrscheinlich erhebliche Schwierigkeiten zum lernen hat. Die Bildung ist wohl ein Ziel aller. Was wird dagegen getan, das Hartz IV Empfänger die Möglichkeit gegeben wird, die Schule ohne Stress auch für sein Kind zu meistern.

Thomas Beyer: Herr S. aus Wismar stellt eine speziell auf sein Kind bezogene Frage zur Schülerbeförderung. Dazu ist grundsätzlich zu sagen, dass im Unterschied zu den Landkreisen die kreisfreien Städte auf Grund der kürzeren Schulwege gesetzlich nicht verpflichtet sind, Kosten für die Schülerbeförderung zu übernehmen. Daran hält sich auch die Hansestadt Wismar. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei festgestellter Behinderung, übernimmt die Stadt die Kosten. Ein solcher Fall liegt bei Herrn S. nicht vor. Die speziell auf das Kind von Herrn S. bezogene Beantwortung werde ich, um die Anonymität zu wahren, ihm direkt per Mail zusenden.

15.04.2010 - Ein Bürger aus Wismar
Sehr geehrter Herr Beyer,
da ich als Jugendlicher mich stark für Politik und Demokratie interessiere, ist meine eigentliche Frage: Wie stehen Sie zum Thema Jugendparlament in Wismar und würden Sie das ins Lebenrufen eines kommunalen Jugendparlamentes in seiner eigentlichen Form befürworten und unterstützen?

Thomas Beyer: In der Vergangenheit gab es bereits für ein Jugendparlament eine Initiative, die allerdings deswegen nicht zum Ziel führte, weil die Jugendlichen, die ein Parlament planten, durch Studium oder Ausbildung Wismar verlassen haben. Deswegen gibt es zur Zeit immer zu Beginn der Jugendhilfeausschusssitzungen die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Anregungen zu geben usw. Dies wird aber kaum genutzt, obwohl der Stadtjugendring diese Möglichkeit gegenüber Jugendlichen immer wieder kommuniziert. Überhaupt steht der Stadtjugendring als Ansprechpartner für Anliegen Jugendlicher zur Verfügung und gibt diese dann an die Verwaltung und Politik weiter bzw. arrangiert ggf. Zusammentreffen. Dennoch würde ich natürlich ein Jugendparlament befürworten und unterstützen. Allerdings halte ich nichts davon, dies von „oben“ anzuordnen, sondern die Initiative müsste schon von Jugendlichen ausgehen. Dann würde ich veranlassen, dass durch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Unterstützung gegeben wird.

15.04.2010 - Ein Bürger aus Wendorf
Was wollen Sie tun, dass" Seebad Wendorf" wieder atraktiver wird? Ich meine damit nicht nur die Seebrücke , sondern den Badestrand.
Viel Urlauber und auch Wismarer gehen gern zum Wasser runter.
Aber zur Zeit sieht es dort traurig aus. Der Strand verdreckt und ungepflegt.
Wie sehen die Pläne für diesen Teil der Stadt aus?
Mit freundlichen Grüßen
S. Feik

Thomas Beyer: Die Badestelle Wendorf besteht aus einem weitgehend naturbelassenen Badestrand, einer DLRG-Wachstation, diversen Spielgeräten, zwei Badeschwimminseln, einer Abgrenzung des Badebereiches durch Bojen und einer öffentlichen Toilette. Außerdem befindet sich gegenüber dem Strand eine privat betriebene Minigolfanlage.

Bisher ist es so, dass in der offiziellen Badesaison (Beginn am Pfingstmontag, Ende am 31. August) der Badestrand und das direkte Umfeld wöchentlich durch die Wismarer Werkstätten gereinigt wird. Ebenfalls in diesem Zeitraum wird der Badestrand und der Badebereich durch die DLRG überwacht. Im Rahmen dieser Tätigkeit sammeln die Rettungsschwimmer der DLRG zusätzlich täglich eventuelle Glasscherben vom Strand bzw. aus dem Badebereich und sollten die tägliche Verschmutzung groß sein, wird eine spontane Reinigung veranlasst. In dieser Zeit ist also bereits heute schon eine gute Qualität des Badebereichs gegeben. Ich werde in jedem Fall an diesen Maßnahmen festhalten.

Schwieriger ist die Situation vor bzw. nach der Badesaison. Natürlich erfolgt die kontinuierliche Säuberung des Bereiches, die Grünpflege sowie Instandhaltung der Spielgeräte auch in dieser Zeit. Allerdings kann dies aus Kostengründen nur in größeren Zeitabständen erfolgen. Ich werde dafür Sorge tragen, dass die Kontrolle der Situation vor Ort aufrecht erhalten wird und dass je nach Erforderlichkeit auch in den Zwischenräumen Reinigungen vorgenommen werden.

11.04.2010 - Ein Bürger aus Wismar Altstadt
Schön guten Tag meine frage ist wir sich die Stadtumland geschichte überhaupt postive für Wismar entscheiden und bekommen wir entlich eine gute Zuganbindung!

Thomas Beyer: Prinzipiell stehe ich zu der Aussage, dass es für die Entwicklung der Stadt nicht zuträglich ist, dass sich die Stadtgrenzen seit mehr als 100 Jahren nicht verändert haben. Ein wirtschaftliches Zentrum der Region benötigt im Interesse der Region Platz zur Entwicklung. Insofern begrüße ich, das in einer speziellen Kommission des Landtages, nämlich in der Enquete-Kommission, in der ich selbst auch stellvertretendes Mitglied bin, derzeit Grundzüge einer Gemeindegebietsreform beraten werden. Aber auch unabhängig von einer solchen Reform muss mit den Umlandgemeinden ausgelotet werden, wo es Kooperationsmöglichkeiten und gemeinsame Interessen gibt. So habe ich beispielsweise die Kooperationsvereinbarung mit der Gemeinde Poel bezüglich der dortigen Schule geschlossen, damit wurde ein Beitrag zum Erhalt der Poeler Schule geleistet. Im Gegenzug konnten Schüler der Insel Poel die Wismarer Gymnasien mit Zustimmung des Landkreises besuchen. Mittlerweile gibt es zwar die freie Schulwahl, aber vorher war diese Vereinbarung durchaus hilfreich. In diesem Sinne gilt es, Möglichkeiten engerer Zusammenarbeit herauszufinden. Deshalb will ich intensiv mit den Bürgermeistern der Umlandgemeinden sprechen, genauso wie mit dem Landkreis Nordwestmecklenburg, mit dem wir schon jetzt an vielen Stellen (gemeinsames Gesundheitsamt, gemeinsames Veterinäramt, Katasteramt, gemeinsamer Rettungsdienst, gemeinsame Berufsschule) zusammenarbeiten.
Auch wenn uns die zur Zeit geplante Kreisgebietsreform kaum hilft, will ich in jedem Fall das Gespräch mit den Umlandgemeinden und dem Landkreis intensivieren.

Wie sieht aktuell das Angebot der Eisenbahn für die Hansestadt Wismar aus€ Wismar wird von zwei Regionalexpresslinien bedient:
- stündlich von der RE 8 Wismar – Bad Doberan – Rostock – Tessin und
- stündlich von der RE 4 Wismar – Bad Kleinen – Schwerin – Ludwigslust, die alle zwei Stunden weiter über Wittenberge nach Berlin fährt.

Die Linien werden mit modernen Dieseltriebzügen bzw. mit von Elektroloks bespannten Doppelstockzügen neuerer Bauart bedient. Die Strecken selbst (also die Gleise etc.) wurden in den Jahren seit der Wende ebenfalls größtenteils grundlegend erneuert. Alles zusammen bietet die Eisenbahn damit heute für Reisen an und ab Wismar höhere Reisegeschwindigkeiten und einen besseren Reisekomfort als zuvor.
In Bad Kleinen und Schwerin z.B. bestehen darüber hinaus recht gute Anschlüsse in Richtung Hamburg und darüber hinaus. Weitere Beispiele ließen sich aufführen.
Im Dezember 2012 wird die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) die Linie Wismar – Berlin – Jüterbog von der Deutschen Bahn übernehmen und mit für diese Linie neu beschafften doppelstöckigen Elektro-Triebzügen befahren.
Die derzeit laufende Ausschreibung der Strecke Wismar-Ludwigslust sieht zudem vor, in den Hauptverkehrszeiten (HVZ) zusätzliche Züge zwischen Wismar und Schwerin fahren zu lassen, so dass sich auf dieser Strecke in der HVZ ein Halbstundentakt ergeben wird. Das ist eine deutliche Verbesserung des Angebotes in diesen Tageszeiten!
Wünschenswert wären natürlich auch wieder mehr durchgehende Anschlüsse der in Ludwigslust endenden Züge der RE 4 an die InterCitys und ICE-Züge in Richtung Berlin, wie früher schon einmal. Nach Verkürzung der Fahrzeiten zwischen Hamburg und Berlin vor einigen Jahren entfiel diese Möglichkeit für viele Züge und damit die ganztägige Möglichkeit, jede Stunde von Wismar nach Berlin zu fahren. Die oben erwähnten Verstärkerzüge zwischen Wismar und Schwerin in der Hauptverkehrszeit werden möglicherweise diese Situation verbessern. Das hängt aber von der Fahrplanplanung ab Ende 2012 ab.
Natürlich würde ich mir noch mehr wünschen. Züge des Fernverkehrs direkt ab Wismar beispielsweise. Aber ein Versuch der Deutschen Bahn, einen InterCity (in den 90-er Jahren, 1 x täglich, aber immerhin) in Wismar beginnen und enden zu lassen, war nicht von Erfolg gekrönt. Insofern gilt sicher immer das entscheidend für solche Zugverbindungen ist, wie viele Fahrgäste unter anderem auch aus der Hansestadt Wismar diese Züge nutzen. Generell liegt die Zuständigkeit zuerst natürlich bei der deutschen Bahn, als Stadt kann man aber versuchen, immer wieder Einfluss zu nehmen.

03.04.2010 - Ein Bürger aus Wismar
Wie bewerten Sie die Auswirkungen des neuen KiFöG Entwurfes von Frau Sozialministerin Schwesig für Wismar ? Wie werden sich die finanziellen Auswirkungen für die Stadt Wismar und die Eltern auf Basis des Gesetzentwurfes darstellen ? Wie bewerten Sie die aktuell im Gesetz vorgeschriebene Gruppengröße von 1: 18 in Kitas für die Arbeit der Erzieherinnen und die Qualität der Bildung ? Was wollen Sie für die Kitas in Wismar unternehmen ?

Thomas Beyer: Ein Schweriner Bürger fragt mich, wie ich die Auswirkungen des neuen Kifög-Entwurfes von Frau Sozialministerin Schwesig für Wismar einschätze und wie sich insbesondere die finanziellen Auswirkungen für die Stadt Wismar und die Eltern auf Basis des Gesetzentwurfes darstellen werden. Ebenfalls wird gefragt, wie ich die vorgeschriebene Gruppengröße von 1:18 in den Kindergärten für die Arbeit der Erzieherinnen und die Qualität der Bildung einschätze und was ich für die Kitas in Wismar unternehmen will:

Die Novellierung des Kifög wird durch mich grundsätzlich begrüßt. Wir haben in unserem Bundesland auf der Basis des jetzigen Kifög mittlerweile eine solide finanzierte Kindertagesstättenbetreuung erreichen können. Das war zu Zeiten der Regelkostenverordnung noch ganz anders. Die Zusammenarbeit der Jugendämter mit den freien Trägern auf der Grundlage von sogenannten Leistungs-, Qualitätsentwicklungs- und Entgeltvereinbarungen hat sich bewährt. Diese Vereinbarungen werden kontinuierlich fortgeschrieben, es konnte ein deutlicher Qualitätszuwachs erreicht werden. Beispielsweise bin ich sehr erfreut, dass die Elternarbeit in den Einrichtungen deutlich verstärkt worden ist. Die frühkindliche Bildung ist bei allen Trägern von Kindertagesstättenbetreuung in den Focus gerückt.

Die Kifög-Novelle versucht Schwachpunkten des jetzigen Gesetzes entgegen zu wirken. Ich habe über den Städte- und Gemeindetag aber auch in persönlichen Gesprächen mit der Sozialministerin versucht, auf den Gesetzentwurf durchaus Einfluss zu nehmen. Der Entwurf sieht zur Zeit vor, dass sich das Land zukünftig mit einem Betrag pro belegtem Platz an der Kindertagesstättenfinanzierung beteiligt. Das hat zur Folge, dass sich die Höhe der Elternbeiträge und der Anteil der Kommunen stabilisieren wird. In den letzten Jahren sank der Anteil des Landes pro belegtem Platz kontinuierlich. Die Mehrkosten mussten durch Eltern und die Kommunen aufgebracht werden. Insofern war diese Neuregelung überfällig und ich kann sie nur begrüßen. Die Hansestadt Wismar hat übrigens im Jahr 2005 für die Kindertagesstättenbetreuung ca. 2,6 Mio.€ ausgegeben, im Jahr 2009 waren es schon ca. 3,6 Mio.€. Im gleichen Zeitraum stiegen die Kosten der Stadt für die Übernahme von Elternbeiträgen von ca. 765.000 T€ auf deutlich mehr als 1 Mio.€.

Die finanziellen Mittel, die im Zuge der Kifög-Novelle (15 Mio.€) durch das Land zusätzlich zur Verfügung gestellt werden, reichen offenbar nicht aus, um den Personalschlüssel flächendeckend wirksam zu senken. Allerdings soll die individuellere Förderung von Kindern erreicht werden, hierfür werden ebenfalls entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt. In der Praxis wird das dazu führen, dass zumindest während eines Teils des Tages und für einen Teil der Kinder das Arbeiten in kleineren Gruppen ermöglicht wird. Dies ist ein erster, zugegeben kleiner Schritt in die richtige Richtung. Soweit ich weiß wird aber auf Landesebene bereits über einen weiteren Schritt der Novellierung verhandelt, in dem dann eine grundlegende Verbesserung des Erzieher-Kind-Verhältnisses geplant ist, das würde ich sehr begrüßen. Eine meiner wichtigsten Forderungen war, die Verpflegung in der Kindertagesstätte zum echten Leistungsbestandteil der Kindertagesstättenbetreuung zu machen. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf wird dies grundsätzlich umgesetzt , ich hoffe dass damit der bürokratische Aufwand für alle Beteiligten gesenkt werden kann. Bei einer weiteren Fortschreibung des KiföG wäre es so auch leichter möglich, ein kostenloses Mittagessen einzuführen, auch darüber wird, so weit ich weiß, zur Zeit auf Landesebene zwischen den Parteien verhandelt.
In der Hansestadt Wismar hat sich eine bunte Vielfalt von Kindertagesbetreuungsmöglichkeiten entwickelt, da sind zum einen die Kindertagestätten in unterschiedlichster Trägerschaft zu nennen, aber auch die Tagesmütter mit ihren sehr individuellen Betreuungsangeboten. Übrigens, Wismar leistet es sich als eine von wenigen Kommunen, integrative Hortgruppen zu finanzieren. Hier ist bereits ebenfalls eine individuellere Förderung von Kindern auch im Grundschulalter möglich. Wie gesagt, sehr gut hat sich auch in den letzten Jahren die Elternarbeit entwickelt. Zwischen zahlreichen Kindertagesstätten und Grundschulen haben sich stabile Kooperationen entwickelt, dies gilt ebenfalls für Kooperationen beispielsweise mit Sportvereinen.

All dies gilt es in den Leistungs-, Qualitätsentwicklungs- und Entgeltvereinbarungen fortzuschreiben. Eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben in der Hansestadt Wismar wird neben der Umsetzung des neuen Kifög die Schaffung weiter Kita-Plätze sein. Diese sind notwendig, weil die Nachfrage vor allem nach Krippenplätzen steigt. Insofern war es für mich sehr schön, im März bei der Grundsteinlegung für eine neue Kindertagesstätte in Trägerschaft des DRK im Bereich des Hafens dabei gewesen zu sein.

01.04.2010 - Ein Bürger aus Friedenshof
Kleingärtner in dieser Hansestadt sind eigentlich glückliche Menschen auch mit wenig Geld in der Brieftasche.Selbst ALG2-Bezieher haben Freude in und an ihrem Garten. Aber Sorge erfüllt sie, wenn die Rechnung am Jahresende kommt.Höhere Gebühren wohin man sieht.Und die Sorge, es könne noch schlimer kommen - höhere Pachten und das Problem mit Wasser- und Abwasser oder gar das Ende von Kleingartenvereinen? Haben Sie gute Nachrichten an die vielen tausend Kleingärtner hier in dieser Stadt ?

Thomas Beyer: Dazu möchte ich ein bisschen weiter ausholen, denn ich finde gerade auch im Sinne des sozialen Zusammenhalts in unserer Stadt wichtig, die Kleingärtner zu unterstützen. Auch das Bundeskleingartengesetz sieht ja die Kleingärten als soziale Aufgabe!

1. In Wismar gibt es 34 Vereine in 93 Anlagen mit 5.765 Gärten, von 34 Vereinen befinden sich 28 Vereine auf Flächen, die im Eigentum der Hansestadt Wismar sind. Es handelt sich hier um eine genutzte Fläche von 1.250.000 m². Der Kreisverband der Gartenfreunde der Hansestadt Wismar e.V. ist der Dachverband für die Kleingartenvereine und deren Mitglieder. Die Anlagen, die im Eigentum der Hansestadt Wismar stehen, wurden größtenteils dem Kreisverband der Gartenfreunde der Hansestadt Wismar e.V. mittels Generalpachtvertrag in die Verwaltung übergeben. Auch die Privateigentümer haben Verträge mit dem Kreisverband zur Verwaltung abgeschlossen.

2. Die Kleingärten sollen erhalten bleiben!! Sie sind im Flächennutzungsplan der Hansestadt Wismar als öffentliche Grünflächen ausgewiesen. Damit hat die Bürgerschaft, die den Flächennutzungsplan beschließt, ihren Willen dokumentiert, die Kleingartenanlagen zu erhalten. Daran will ich absolut nichts ändern! Die Kleingärtner zahlen derzeit 0,072 € pro m² als Pachtzins. Dieser Zins ergibt sich aus Regelungen des Bundeskleingartengesetzes. Weil Kleingärten gerade auch für Bürgerinnen und Bürger mit niedrigen Einkommen wichtig sind, sehe ich keinen Grund, hier etwas zu ändern. Darüber hinaus hat die Hansestadt Wismar ab dem Jahr 2004 entschieden, weil seitens des Kreisverbandes der Gartenfreunde Wismar e.V. für leerstehende Pachtflächen keine Einnahmen erzielt werden, den Pachtzins für diese Flächen von 0,072 € pro m² auf 0,03 € pro m² zu reduzieren. Das bedeutet für die einzelnen Vereine, dass sie für freie Kleingärten, die das ganze Jahr über nicht verpachtet waren, den reduzierten Pachtzins an den Kreisverband und dieser dann an die Stadt zu zahlen hat. Die Zusage der Stadt betrifft nur die städtischen Flächen, auch dies will ich gern beibehalten.

3. Die Hansestadt Wismar legt alle anfallenden Betriebskosten in Form von einer Betriebskostenabrechnung auf die Kleingartenvereine um. Die Abrechung ist für die Vertragspartner sehr zeitaufwändig. Seit dem Jahr 2006 gibt es eine Vereinbarung zur Zahlung einer Betriebskostenpauschale. Eine solche Vereinbarung ist auch gesetzlich zulässig. Gegenwärtig wird ein Pauschale von jährlich 5.000 € gezahlt, damit sind alle anfallenden Kosten abgedeckt. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Betriebskostenpauschale angepasst werden kann, bis zum heutigen Zeitpunkt sind die 5.000 € jedoch vollkommen ausreichend.

4. Aktuelle Probleme sollten im Miteinader besprochen werden. Dies gilt zum Beispiel für den Erlass des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Bezüglich der Anpassung der Abwasserleitungen an die allgemein anerkannten Regeln der Technik bis zum Jahr 2013. Dazu sollten wir eine Arbeitsgruppe, zum Beispiel mit der Abteilung Liegenschaften, der unteren Wasserbehörde und dem Kreisverband der Gartenfreunde bilden, um entsprechende Lösungen zu finden.

01.04.2010 - Ein Bürger aus Wismar
Wismar hat laut Analyse des Katastrophenschutzes-MV mit Rostock und Greifswald die höchste Gesamtvulnerabilität in MV, nicht, dass die Bürger hier nicht sicher wären, aber es bestehen auch auf diesem Gebiet noch einige Potentiale, die man besser nutzen könnte, um vorhandene Mittel effektiver einzusetzen bzw. künftige Investitionen klüger als bisher zu tätigen.
Denn der Schutz Ihrer "Liebe" Wismar, wird Ihnen doch besonders am Herzen liegen.
Wie gedenken Sie, dies zu verwirklichen?

Thomas Beyer: Herr H. aus Wismar stellt in seiner Frage fest, dass Wismar mit Rostock und Greifswald die höchste Gesamtvulnerabilität in M-V hat und fragt, wie auf diesem Gebiet zukünftig Potentiale besser genutzt und Mittel so klug wie möglich eingesetzt werden können:

Vulnerabilität kann man am besten mit Verwundbarkeit oder Verletzbarkeit übersetzen. Herr H. bezieht sich auf eine Analyse des Landesamtes für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, Brand- und Katastrophenschutz Mecklenburg-Vorpommern. Dort sind der Großraum Rostock, das Mittelzentrum Wismar sowie die Städte Stralsund/Greifswald, die Region Müritz/Parchim/Ludwigslust und die Region Rügen als Regionen mit der höchsten Gesamvulnerabilität benannt worden. Sinn dieser Analyse ist es, vereinfacht ausgedrückt, Gefährdungspotentiale zum Beispiel durch Hochwasser oder Waldbrände, zu ermitteln. Solche Gefährdungspotentiale sind auch die Hochwasseranfälligkeit, eine hohe Industriedichte oder die Nähe zu wichtigen Verkehrsadern, zum Beispiel Autobahnen. Gerade diese drei Merkmale treffen zum Beispiel auch auf die Hansestadt Wismar zu.

Bezüglich des Hochwasserschutzes ist zu sagen, dass schon in der Vergangenheit bei Investitionen im Hafenbereich der – veränderten – DIN Rechnung getragen wurde und Hochwasserschutzanlagen errichtet wurden bzw. das Geländeniveau generell angehoben wurde. Diese Investitionen müssen insbesondere im Bereich Westhafen noch fortgesetzt werden. In Zukunft werden absehbar weitere Investitionen notwendig sein, die mit Sicherheit die Hansestadt Wismar allein nicht leisten kann, Bund und Land sind dort in besonderer Verantwortung. Die Notwendigkeit liegt zum einen begründet in der Lage Wismars (Stadthügel, rundherum Niederungsgebiete) und zum anderen in den Klimaveränderungen. Beispielsweise ist dem Bereich Wolfsburger Graben besondere Aufmerksamkeit zu widmen, aber auch über den Wallensteingraben ist die Hansestadt Wismar hochwassergefährdet. Hochwasserschutz wird also eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre sein müssen.
Bezüglich der Industriebetriebe, namentlich der Holzfirmen – Holz, insbesondere Sägespäne und Holzstaub bergen immer die Gefahr der Verpuffung – sind gut funktionierende Feuerwehren und ein gutes Zusammenspiel zwischen Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Wehren sowie ggf. Betriebsfeuerwehr notwendig. Die Feuerwehren kooperieren in diesem Sinne gut miteinander. Wo Verbesserungen nötig und möglich sind, sind diese natürlich umzusetzen.
Für den Rettungsdienst gab es gerade kürzlich einen interessanten Vorschlag des Krankenhauses für einen Rettungshubschrauberstandort in Wismar, mit dem insbesondere auch die Wasserrettung verbessert werden könnte. Dieser Vorschlag wird durch mich durchaus unterstützt.

Katastrophenschutz ist Aufgabe der Landkreise und kreisfreien Städte und für den Bürgermeister einer kreisfreien Stadt Chefsache und wird Chefsache bleiben müssen. Bezüglich des Katastrophenschutzes sind wir in Wismar gut aufgestellt mit mehreren Katastrophenschutzzügen, dabei sind der ASB, das DRK und die Johanniter beteiligt. Außerdem besteht ebenfalls eine gute Kooperation mit dem THW. Jährlich finden 1 bis 2 Großübungen statt, die nächste wird voraussichtlich noch im Frühjahr diesen Jahres sein.

Abschließend will ich Herrn H. danken, dass er darauf hingewiesen hat, dass trotz der bereits erwähnten Gefährdungslagen die Bürgerinnen und Bürger Wismars sich nicht unsicher fühlen müssen.

23.03.2010 - Ein Bürger aus Wismar
Wie soll der enorme Schuldenberg abgebaut werden?

Thomas Beyer: 1. Wir werden nicht umhin kommen, in den nächsten Jahren das Haushaltssicherungskonzept für die Hansestadt Wismar fortzuschreiben. Das bedeutet, alle Einnahmen- und alle Ausgabenpositionen sorgfältig zu prüfen. Einsparungen können erzielt werden durch notwendige aber gut durchdachte Änderungen in der Verwaltungsstruktur, also Umbau der Verwaltung, unter Einbeziehung der Eigenbetriebe und Eigengesellschaften und durch sinnvolle Kooperationen mit dem Umland bzw. dem Kreis Nordwestmecklenburg. Zum anderen werden wir durch eine Stärkung der Vielfalt unserer Wirtschaftsstruktur in der Hansestadt Wismar und letztlich auch in der Region letztlich die Einnahmenbasis der Stadt, zum Beispiel durch Gewerbesteuereinnahmen, verbreitern.

2. Die Frage der Haushaltskonsolidierung war auch schon in den vergangenen Jahren eine zentrale Frage. Die Bürgerschaft hat frühzeitig ein Haushaltssicherungskonzept beschlossen, das Stück für Stück umgesetzt wurde. Es ist schon derzeit so, dass Kredite nur in dem Umfang aufgenommen werden dürfen, wie aktuell Verbindlichkeiten getilgt werden.

3. Bezüglich der aktuellen Kredite, die die Hansestadt Wismar aufgenommen hat - das ist ja mit dem Begriff „Schuldenberg“ gemeint - muss deutlich gesagt werden, dass damit auch Werte geschaffen wurden. Es handelt sich ausnahmslos um Investitionskredite. Beispielsweise mussten die Erschließungsmaßnahmen für die großen Gewerbe- und Industriegebiete, die zwar hoch gefördert wurden, auch immer von der Hansestadt Wismar cofinanziert werden. Das macht allein ca. 1/5 der Gesamtsumme unserer Kredite aus. Von den Industrieansiedlungen wiederum profitiert die gesamte Region. Ein zweites Beispiel sind die Schulsanierungen. Allein 16 Mio. € umfasste ein Schulsanierungsprogramm, das von der Bürgerschaft für vier Schulen beschlossen wurde. Allerdings wurde für die Sanierung unserer Schulen insgesamt wesentlich mehr ausgegeben.

4. Wir befinden uns in der Situation, dass zumindest noch bis zum Jahr 2013 (Auslaufen wichtiger EU-Förderprogramme) Fördermittel in größerem Umfang für verschiedene Maßnahmen zur Verfügung stehen. Diese sollte die Hansestadt Wismar auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten in Anspruch nehmen. Das bedeutet jeweils die Cofinanzierung sicher zu stellen. Hier geht es um Investitionen, die der Stadt- und Regionalentwicklung zu dienen haben.

5. Es ist immer gut, mit allen Sparbemühungen selbst zu beginnen. Es muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass all diese Bemühungen fruchtlos bleiben, wenn Land und Bund weiter so mit den Kommunen umgehen. Uns wurden in den vergangenen Jahren Aufgaben aufgebürdet, ohne die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen. Allein im Bereich der Sozialausgaben stellte sich zwischen den Jahren 2005 und 2009 in der Hansestadt Wismar eine Verdoppelung pro Kopf der Bevölkerung von 100 auf 200 € ein. Dabei wird nicht die Notwendigkeit der Sozialausgaben prinzipiell in Frage gestellt, gleichwohl müssen wir erwarten, dass uns auch die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

16.03.2010 - Ein Bürger aus Wismar
Was würden Sie als Bürgermeisterfür Senioren tun?

Thomas Beyer: Mit dem Bereich Senioren haben Sie ein auch in meinen Augen absolut wichtiges Thema angesprochen. Gerade war ich mit der Sozialministerin unseres Landes, Manuela Schwesig, in einer Wohngruppe der Volkssolidarität in der Wendorfer Rudi-Arndt-Straße.

Dort leben Senioren unterschiedlichen Alters und teilweise mit Behinderungen eigenständig in Wohnungen. Sie können dort gleichzeitig aber auch Gemeinschaftsräume nutzen und sie unterstützen sich vor allem gegenseitig. Derartige Wohnformen werden - davon bin ich überzeugt - in
Zukunft noch größere Bedeutung haben und ich möchte sie auch für Wismar noch mehr auf den Weg bringen. Aber nicht nur darum geht es! Das wäre zu kurz gesprungen. Die Bevölkerung unserer Stadt wird generell älter und es ziehen auch gern ältere Bürgerinnen und Bürger nach Wismar. Gerade
jüngere Seniorinnen und Senioren sind aktiv und wollen es auch bleiben. Letztlich geht es also um Teilhabe in der örtlichen Gemeinschaft.

Dafür gibt es schon gute Ansätze in Wismar wie z.B.
- das Seniorenprogramm der Volkshochschule
- die Senioren-Universität
- einen sehr aktiven Seniorenbeirat
- Angebote der Sportvereine sowie weiterer Vereine für Senioren
- das Mehrgenerationenhaus am Friedenshof gerade mit Aktivangeboten für Senioren

Dies alles gilt es fortzuführen und auszubauen. Was mich ohnehin immer wieder begeistert, ist, wie aktiv Senioren sind z.B. bei der Betreuung ihrer Enkelkinder oder in der Pflege ihrer Angehörigen.

Ein weiterer Grundsatz neben der Teilhabe ist, Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten. Deswegen habe ich mich vor vielen Jahren so sehr dafür eingesetzt, dass die geriatrische Klinik am Wismarer Krankenhaus errichtet wird. Es ist die einzige ihrer Art in M-V und sie wird jetzt sogar durch eine Tagesklinik ergänzt! Daneben gibt es auch Reha-Angebote z.B. in der Medianklinik. Und ich will die tolle Arbeit vieler Selbsthilfegruppen nicht vergessen. Dies alles zielt darauf, wichtige Lebensfunktionen trotz teilweise chronischer Erkrankungen zu erhalten, um so selbstbestimmt wie irgend möglich leben zu können.

Natürlich geht es bei diesem Thema auch um eine gute Infrastruktur für unsere Senioren. Hier muss Wismar Stück für Stück noch barrierefreier werden. Wir werden weitere altersgerechte Wohnungen benötigen, da sind alle Vermieter gefragt. Von der Wohngruppe der Volkssolidarität als
Zukunftsmodell war schon die Rede. Zur seniorengerechten Infrastruktur gehören aber auch Begegnungsstätten, um z.B. Einsamkeit zu vermeiden oder wenigstens zu vermindern. Solche Stätten gibt es bereits im Bürgerhaus Dargetzow (AWO), in der Mecklenburger Str. (Diakonie), in der Hans-Grundig-Straße am Friedenshof (DRK) und in der Hanno-Günther-Straße in Wendorf (Volkssolidarität). Auch die Kirchgemeinden leisten hier eine gute Arbeit ebenso wie z.B. der Demokratische Frauenbund in der Kanalstraße. Selbstverständlich muss man beim Thema Infrastrukur für Senioren seinen Blick auch die Pflegeeinrichtungen richten. Dazu zähle ich die Tagesstätten der Diakonie und der Volkssolidarität sowie die Pflegeheime unserer Stadt, wie das der Malteser, das Städtische Alten- und Pflegeheim am Friedenshof und in Wendorf, die Einrichtungen der Diakonie in St. Martin und am Schwarzes Kloster sowie das private Pflegeheim Haus Seestern.
Trotz aller Angebote werden wir auch hier einen wachsenden Bedarf haben. Deswegen baut das Städtische Alten- und Pflegeheim ein neues Haus mit altengerechten Wohnungen, mit ca. 80 Pflegeplätzen und einer Tagesstätte an der Lübschen Burg.

Das Thema Politik für Senioren ist also sehr vielfältig und ganz und gar nicht auf Pflege allein zu reduzieren. Wichtig ist mir, dass sich auch die älteren Bürgerinnen und Bürger in Wismar wohl fühlen und hier gern leben.

15.03.2010 - Ein Bürger aus Wismar - Altstadt
Warum werden dann städtische Aufträge wie z.B. der Druck des Wismarer Stadtanzeigers an Firmen vergeben, die ihren Firmensitz nicht in der Hansestadt haben? Die Alternative "Wismar-Zeitung" wird beispielsweise in Wismar gedruckt und kann meiner Meinung eine bessere Qualität vorweisen. (Kostengründe können also kein Entscheidungskriterium sein)

Thomas Beyer: Wo immer es möglich ist, werde ich Sorge dafür tragen, dass die Firmen unserer Stadt unterstützt werden. Allerdings muss eine Stadt wie Wismar bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen strenge rechtliche Vorgaben einhalten. Die strikte Einhaltung dieser Regeln wird vom Innenministerium unseres Lands genau überwacht. Beim Amtlichen Bekanntmachungsblatt "Stadtanzeiger" der Hansestadt Wismar bestand 15 Jahre lang bis zum Ende des Jahres 2008 eine Zusammenarbeit mit einem Wismarer Unternehmen. Grundlage für diese Kooperation war ein Vertrag, der schon 1993 geschlossen wurde. Dieser lief permanent weiter, sofern ihn nicht ein Partner gekündigt hat. Die aktuelle Rechtsprechung untersagt den Städten und Gemeinden heute das Führen solcher „Endlosverträge“. Aus diesem Grund musste der bestehende Vertrag zum 31.12.2008 gekündigt und die Zusammenarbeit mit der hiesigen Firma beendet werden. Gleichzeitig schreibt geltendes Recht auch vor, dass Aufträge im Interesse eines korrekten Wettbewerbes öffentlich auszuschreiben sind und dass das wirtschaftlichste Gebot im Verfahren berücksichtigt werden muss. In der Ausschreibung zum "Stadtanzeiger" hat danach unser jetziger Partner das mit großem Abstand preisgünstigste Angebot abgegeben, so dass der Verlag Linus Wittich aus Sietow für die Zusammenarbeit bis Ende 2012 vertraglich gebunden wurde. Nach Ablauf dieser Frist wird die Leistung erneut ausgeschrieben und natürlich können sich an diesem Verfahren auch wieder Unternehmen aus der Hansestadt Wismar beteiligen.

15.03.2010 - Ein Bürger aus Wismar - Altstadt
Warum ist der Internetauftritt der Hansestadt Wismar (als Infomationsquelle Nummer 1 für Touristen und auch Einwohner) in einem Zustand, der nicht ansatzweise dem Verhalten des modernen Internetnutzers und den technischen Neuerungen der letzten Jahre gerecht wird? Ein Beispiel: Machen Sie sich mal den Spaß und geben Sie bei Google den Suchbegriff "wismar" ein. Der Internetauftritt der Stadt erscheint nicht unter den ersten 300 Sucheinträgen. Andere Städte besitzen unter anderem sogar eigenständige Tourismuswebseiten und bewerben ihre Städte und Regionen.

Thomas Beyer: Zum Thema "Internetseite" möchte ich sagen, dass die Hansestadt Wismar im November des letzten Jahre einen komplett neugestalteten Internetauftritt freigeschaltet hat. Der Web-Auftritt, den Sie heute sehen, ist in Struktur, in Navigation und im Layout völlig neu aufgestellt worden. Dafür gab es im Wesentlichen zwei Gründe: 1.) Die Internetpräsenz der Hansestadt Wismar musste noch besser an die Bedürfnisse unserer Bürgerinnen und Bürger, der Touristen und der Wirtschaftsunternehmen angepasst werde, damit die gesuchten Inhalte schneller und einfacher gefunden werden und 2.) Die Internetpräsenz der Hansestadt Wismar musste behindertengerecht gestaltet werden. Beides ist mit dem neuen Web-Auftritt gelungen. Natürlich ist auch die von Ihnen angesprochene Problematik bekannt. Es wird an gezielten Verlinkungen der Wismarer Web-Seite gearbeitet, damit auch diese positiven Effekte im Page-Ranking genutzt werden können. Es ist also davon auszugehen, dass das Problem in absehbarer und recht kurzer Zeit gelöst sein wird.
Im Punkt "touristische Werbung via Internet" stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Hier setze auch ich mich dafür ein, dass es parallel zum Portal der Hansestadt Wismar - auf dem die Interessenlagen von unterschiedlichen Zielgruppen bedient werden müssen - eine touristische Internetplattform für Wismar geben wird. Nach der schrittweisen Realisierung der notwendigen Mehrsprachigkeit (englisch, französisch, schwedisch) von wismar.de wird das ein nächster Schwerpunkt sein.

 
SPD